Archiv für die Kategorie ‘Werbung’

Veränderungen in den TV-Rechten bei Sportveranstaltungen

Mittwoch, 12. Mai 2010

Bisher waren die TV-Rechte an Sportveranstaltungen ein lukrativer Markt. Die TV-Gesellschaften bezahlen für exklusive Verträge grosse Summen. Mit entsprechenden Werbeverträgen in einem attraktiven Werbeumfeld, wurden die Investitionen wieder reingespielt.

Nun verändert sich der Markt aber langsam. Ein grosser Teil des Publikums bewegt sich nun im Internet. Vermehrt wird Fernsehen auch im Internet konsumiert. Das ist aber vermutlich nur eine Übergangslösung. Ich vermute, dass sich die etablierten Rundfunkgesellschaften mit der Zeit auflösen werden. Der Trend geht Richtung Livestreams im Internet. Die SRG praktiziert diese Strategie bereits bei Sportveranstaltungen. Nebst der Ausstrahlung der Sendungen auf den Senderketten, SF1, SF2, TSR1, TSR2, TSI1, TSI2 und SFinfo laufen parallel noch zusätzlich zwei Livestreams im Internet von Sportveranstaltungen. Damit hat SF de facto weitere Senderketten geschaffen. Einen Sportkanal für Eishockey und einen Sportkanal für Fussball.

Ein Blick über die Landesgrenze zeigt, dass auch alternative Modelle bei der Vergabe von Lizenzen für die Ausstrahlung von Spielen möglich sind.

Die Major League Baseball (mlb.com) verkauft via Internet unter (mlb.tv) Einzel WebTV-Zugänge zu 2430 regular season Spielen. Der Preis beträgt 109.95$ für das Premium Angebot. Allerdings gibt es noch eine Crude Blackout Regel. Befindet man sich in einem “Club’s home television territory“ mit seinem Wohnsitz, so ist das Livespiel nicht verfügbar.
Damit schützt man die lokalen TV-Gesellschaften, die die Spiele live übertragen. Ich kann mir vorstellen, dass mit der Zeit diese Regel aufgeweicht wird.

Mich interessierte die Frage, wie das in der Schweiz aussieht und habe mal bei Swiss Ice Hockey nachgefragt. Laut Lukas Hammer sind die Rechte exklusiv bei der SRG und bei Cinetrade (Teleclub). Eine Internet-Lizenz könnte nur als Sublizenzierung im Einverständnis mit den beiden Vertragspartnern geschehen. Der aktuelle Vertrag läuft noch für zwei weitere Saisons. Ich bin gespannt, ob nach Ablauf des Vertrags neben den TV-Lizenzen auch eine Lizenz für Livestreams im Internet zu haben ist.

Vermutlich werden sich Sportarten, die nicht so ein grosses TV-Publikum haben und keinen Sendeplatz bei den etablierten TV-Anstalten bekommen, rascher für die Internet-Variante entscheiden. z.B. www.xfloor.tv

Filmförderung erkauft zu Gunsten Alkoholwerbung am Fernsehen

Donnerstag, 24. September 2009

National- und Ständerat haben dem Vorschlag der Einigungskonferenz für eine Lockerung des Alkoholwerbeverbots zugestimmt. Konkret geht ging es um das Bundesgesetz über Radio und Fernsehen  Art. 10 Abs. 1 Bst. b.
In der Schweiz war bis jetzt Werbung für Bier und Wein auf allen öffentlich-rechtlichen Sendern verboten. Die unterschiedlichen Positionen des Ständerats, kontra, und dem Nationalrat wurden in der Einigungskonferenz mit 12:13 zugunsten der Position des Nationalrats knapp entschieden.
Damit ist der Weg frei, dass auch auf den öffentlichen Rundfunkanstalten Werbung für Wein und Bier ausgestrahlt werden kann. Ruedi Aeschbacher (EVP) hat als Winkelried bis am Schluss dagegen angekämpft.

“Müssen, sollen wir unsere Gesetze ändern, um auf Geheiss des Auslandes hin das teilweise Verbot bezüglich Alkoholwerbung im Fernsehen bei uns ganz aufzuheben und in allen Fernsehkanälen Alkoholwerbung zuzulassen? Ständerat und Nationalrat haben darüber dreimal diskutiert. Der Ständerat hat sich auf ein allgemeines Verbot der Alkoholwerbung im Fernsehen festgelegt. Dreimal hat er das bestätigt, dreimal hat der Nationalrat die Alkoholwerbung zulassen wollen.”

Sein Antrag wurde jedoch deutlich abgelehnt. Die Positionen der einzelnen Nationalräte [PDF ]

Ob jetzt alle Dämme brechen ist fraglich. Bisher war Werbung für alkoholfreies Bier erlaubt. Defakto wurde das bisherige Werbeverbot damit unterlaufen. Für die Bewerbung der  Biere kamen nicht separate Markennamen zur Anwendung. In der Regel erschien in der Werbung der Biername in Verbindung mit Alkoholfrei.

Wozu hat man das alles aufgegeben und sämtliche Präventionsbemühungen unterlaufen? Es ging um das Förderprogramm für den europäischen audiovisuellen Sektor MEDIA 2007. Der Finanzrahmen beläuft sich auf 755 Mio. Euro für den Zeitraum von 2007 bis 2013.

Wie viel die Schweiz davon profitieren kann, wird sich zeigen. Und ob sich der Preis der Zulassung von Alkoholwerbung auszahlt, ist nicht sicher. Es ist aber gut möglich, dass die Frage, ob Alkoholwerbung im Rundfunk zugelassen werden soll oder nicht aus der Sicht der Jugendlichen völlig irrelevant ist. Mit Internet und Sozialplattformen wie Netlog oder Facebook findet die Kommunikation auf einem medialen Dorfplatz, fern ab etablierter Medien statt. Einigen ist vielleicht noch der Aufruf zum 1. Züri-Botellón (Massenbesäufnis) von Jan Fröhlich via Facebook in Erinnerung.